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Mit weniger Konsum ein bisschen die Welt retten – Fragen an die Expertin.
Artikel 3 Min. Lesezeit

Weniger Konsum: Das Experteninterview

Meist kauft man nicht das, was man braucht, sondern was man glaubt, haben zu müssen. Aber wer viel kauft, läuft auch ständig Gefahr, über seine Verhältnisse zu leben und finanzielle Krisen nicht gut abfedern zu können. Warum wir mehr kaufen, als wir brauchen, erklärt unsere Vortragsreferentin, Frau Mandy Turreck, in einem Kurzinterview.

Warum kaufen wir mehr, als wir brauchen?

Unsere natürlichen „Bedarfsempfindungen“ sind nicht mehr ausreichend sensibilisiert. Die Aufforderung zum Konsum durch Werbung, die das Kaufen als eine Art Ersatz für Nähe, Urvertrauen und Belohnung darstellt, ist der Trigger für den Konsum.

Was braucht es eigentlich wirklich? Wie erfüllen wir unsere existenziellen Bedürfnisse nach ausreichend Nahrung, sauberem Wasser oder Kleidung? Diese Fragen stellen wir uns leider sehr selten. Nehmen wir beispielsweise den „Hunger“: Stillen wir diesen mit Fertigpizza oder einem selbst gekochten Menü? Machen wir den Lebensmitteleinkauf beim Bauern oder im Discounter? Gehen wir ins Restaurant oder an die Imbissbude?

Mandy Turreck im Interview zu Thema "Mit weniger Konsum ein wenig die Welt retten.

Setzen Sie sich mit sich selbst auseinander: Welchen Impuls gibt es für Sie, um zu konsumieren?

Wir wissen nicht genau bzw. wir nehmen nicht mehr wahr, was wir wirklich benötigen und deshalb kaufen wir im Überfluss. Wir als Verbraucher können unsere Macht ausnutzen und mit der Produktauswahl den Handel beeinflussen: Muss das Brot um 20 Uhr noch frisch gebacken in der Auslage sein? Muss es jedes Jahr ein neues Handy geben? Ist es richtig, die Erdbeeren im Februar zu kaufen, wenn sie 1.000 Kilometer mit dem Lkw hergefahren werden? Wenn alle Warenströme wirklich mit der Energiebilanz versehen werden, wäre unser Discounter nicht mehr die günstigste Einkaufsvariante.

Wie kann ich vorgehen, um im Alltag weniger zu konsumieren?

Grundsätzlich muss ich für mich persönlich zuerst klären, ob ich überhaupt etwas ändern möchte. Die nächste Frage ist dann: Welche Leidenspunkte gibt es, was möchte ich abstellen? Welche Aspekte animieren mich, weniger zu konsumieren? Sind es Geldnot, Platznot, gesundheitliche Aspekte oder ein anderes Lebensmodell? Wie weitreichend greift die Veränderung und wer in meinem Umfeld unterstützt mich? Die Punkte gilt es, aufzuschreiben und sichtbar zu machen. Dann lässt sich ein Fahrplan entwickeln:

  1. Wie läuft die Woche ab? Welche Strukturen gibt es? Wo kann ich umsteuern?
  2. Einkaufsgewohnheiten überdenken: Ein Haushaltsbuch zu führen, hilft zu erkennen, was unnötig ist und welche finanziellen Freiräume entstehen können. Ein Speiseplan und eine Einkaufsliste zu erstellen hilft, bewusster einzukaufen.
  3. Bestandsaufnahme machen: Was besitze ich? Räume und Schränke kontrollieren und ausmisten – darüber wird das „Unnötige“ greifbar.
    Meine Faustregel: Was ein Jahr nicht angefasst wurde, kann weg.
    Übrigens muss man nichts in den Müll werfen, sondern kann über Flohmärkte oder Spenden viele Dinge einer besseren Verwendung zuführen.

Wie vermeide ich Impuls- oder Spontankäufe?

Achten Sie auf Ihr seelisches Gleichgewicht: viel Bewegung, frische Luft und genügend Auszeiten. Schalten Sie Werbung weg, egal ob im Netz, Prospekte am Wochenende oder im Fernsehprogramm. Nehmen Sie sich ab und zu fest vor: Heute kaufe ich nichts oder ich benötige nur ein bestimmtes Produkt, z. B. eine Jacke. Bleiben Sie bei diesem klaren Ziel. Setzen Sie sich mit sich selbst auseinander: Welchen Impuls gibt es für Sie, um zu konsumieren? Sind Sie unglücklich, ist Ihnen langweilig oder wollen Sie sich belohnen? Schalten Sie solche Triggerpunkte in Zukunft aus.

Hilft ein Haushaltsbuch, Konsum zu reduzieren?

In jedem Fall! Ein Haushaltsbuch macht den Konsum sichtbar, wenn es ehrlich und korrekt geführt ist. Es zeigt, wie die Bedürfnisbefriedigung läuft: Habe ich beispielsweise eine Vielzahl vorgefertigter Lebensmittel oder esse ich häufig auswärts? Es tauchen „Nebenbeikäufe“ oder „Belohnungskäufe“ auf, die sichtbar machen, wo man Konsum reduzieren kann.

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