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„Die Kunst liegt im Weglassen“ - 8 Fragen an den Schuldnerberater.
Artikel 4 Min. Lesezeit

„Die Kunst liegt im Weglassen“ – 8 Fragen an den Schuldnerberater

Auch wenn nicht jeder finanzielle Engpass in die Überschuldung führt, sind die Schuldnerberatungsstellen immer wieder stark nachgefragt. Die Krisen der letzten Jahren haben gezeigt: Jeder Mensch kann in eine finanziell schwierige Lage kommen. Wichtig ist nur, dass man das rechtzeitig erkennt und sich Hilfe sucht.

Experteninterview
Frank Wiedenhaupt ist Schuldner- und Insolvenzberater in Berlin. Er beantwortet unsere Fragen zum Thema Verschuldung in Zeiten der Corona-Pandemie.

Frank Wiedenhaupt ist Referent beim Vortragsservice von Geld und Haushalt.

Durch verschiedene Auslöser können Menschen in die Situation geraten, längere Zeit mit weniger Einnahmen über die Runden kommen zu müssen. Welches sind in dieser Situation die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen?
Auf der Einnahmenseite muss man prüfen, ob Leistungen nach SGB II (Bürgergeld) oder Wohngeld infrage kommen. Das steht bei vielen Menschen nicht unbedingt an erster Stelle der Lösungsmöglichkeiten. Diese Leistungen sichern aber erst einmal die laufende Miete, Nebenkosten und den grundlegenden Lebensunterhalt.

Auf der Ausgabenseite sollte man schauen, ob langfristige Verträge über Dienstleistungen wie Fitnessstudio, Musikschule oder Pay-TV-Sportangebote gekündigt werden können. Liquidität ist in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten äußerst wichtig.

Im Falle von Unterhaltsleistungen empfehle ich, umgehend die Unterhaltsvorschusskasse zu informieren. Weniger Einkommen bedeutet auch eine Absenkung der monatlichen Beträge bzw. kann die Kasse mit einem Unterhaltsvorschuss einspringen. Miete und Strom sind die wichtigsten
Ausgaben eines Haushalts und sollten unbedingt weiter bezahlt werden.

Welche Möglichkeiten habe ich bei bestehenden Kreditverpflichtungen, wenn es finanziell auf einmal sehr eng wird?
Zuallererst muss man mit der Bank sprechen und ausloten, ob bestehende Kreditverpflichtungen vorübergehend ausgesetzt werden können. Bei Immobilienfinanzierungen ist es wichtig, zu versuchen, sich in die eher sichere Variante durch Stundungen und Absprachen direkt mit der Bank „zu hangeln“.

An welchen Warnsignalen erkenne ich, dass meine Zahlungsengpässe zu einem echten Schuldenproblem werden?
Die einfachste und aussagekräftigste Kennzahl ist der Kontostand des privaten Girokontos am Monatsende. Wenn der über mehrere Monate immer tiefer fällt, ist es Zeit zum Handeln. Die Häufung von Mahnungen oder sogar Inkassoschreiben ist dann schon ein deutlicheres Zeichen für eine finanzielle Krise. Wenn sich dann der Gerichtsvollzieher ankündigt und es sogar zu einer Konto- oder Lohnpfändung kommt, ist in den meisten Fällen aus einer Verschuldung eine Überschuldung geworden.

Welche Schritte sollte ich angehen, wenn ich Schulden habe und sie nicht mehr abbauen kann?
Man sollte sich unbedingt an eine Schuldnerberatungsstelle wenden und dort Hilfe suchen. Scham und Stolz muss man dafür beiseitelegen. Vielen Menschen geht es ähnlich, sonst würde es solche Einrichtungen nicht geben.

Wobei unterstützt mich die Schuldnerberatung genau und wie viel kostet das?
In der Regel ist die Schuldnerberatungsstelle kostenlos. Gemeinsam mit der ratsuchenden Person verschafft man sich einen Überblick
über die finanzielle Situation. Es wird ein Haushaltsplan aufgestellt, bei dem die aktuellen Ausgaben dem Einkommen gegenübergestellt werden. Die Beratungsstelle hilft dann dabei, zu verhindern, dass weitere Schulden aufgebaut werden.
Wenn der Haushalt ausgeglichen ist, wird die Strategie geklärt, wie die bestehenden Schulden abgebaut werden können, z. B. mit Ratenzahlungen oder einem Vergleich. Wenn die Schuldenhöhe im Verhältnis zum Einkommen aber zu gewaltig ist, kann als letzte Möglichkeit ein Insolvenzverfahren eine Entschuldung herbeiführen.

Wie kann ich mich auf die Beratung vorbereiten?
Am besten versucht man bereits eine Schuldenakte anzulegen. Darin enthalten sind die aktuellen Einkommensbelege, Mietvertrag, Stromrechnung und möglichst geordnet die offenen Forderungen. Wenn dann noch ein aktueller Schufa-Auszug vorhanden ist, erspart man sich das langwierige Suchen nach weiteren Gläubigern. Je ordentlicher diese Mappe ist, umso schneller und besser kann die Beratung Erfolge aufweisen.

Wo finde ich eine Schuldnerberatungsstelle?
In allen Bundesländern findet man in der Nähe des Wohnorts anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen.
Meist sind diese in sozialer, karitativer oder christlicher Trägerschaft. Im Internet nach dem Begriff „seriöse Schuldnerberatung“ zu suchen, kann dazu führen, dass die ersten Treffer alles andere als seriös sind. Das Beste ist, sich bei der Kommune des Wohnorts zu erkundigen.

Wie lauten Ihre drei besten Tipps, um finanziell in der Balance zu bleiben?
Relativ simpel:
1. Die Kunst liegt im Weglassen. Je weniger langfristige Verträge man eingeht, desto flexibler kann man auf ein sinkendes Einkommen reagieren. Wirkt gut gegen schlaflose Nächte!
2. Nichts unterschreiben, was man nicht versteht! Besser wäre in diesem Zusammenhang immer, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt.
3. Kostenlos gibt es eigentlich nichts. Angebote, die kostenlose Leistungen oder Waren versprechen, sind meist entweder Lockvogelangebote, sollen den Verbraucher bzw. die Verbraucherin in einen kostenpflichtigen Vertrag bringen oder sind sogar unseriös.

Wenn man diese drei einfachen Regeln beherzigt, erspart man sich meist den Gang zur Schuldnerberatung.

Hilfe bei Schulden

Schuldnerberatungsstellen
Adressen und Beratungsstellen der örtlichen Bezirks-, Gemeinde- oder Stadtverwaltung unter

meineschulden.de

Online-Schuldnerberatung
Adressen zur Onlineberatung per E-Mail oder Chat der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. unter

Online-Schuldnerberatung

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