Das war unser Forum Privater Haushalt 2018

Der informierte Verbraucher in Finanzfragen – Wunsch oder Wirklichkeit?

Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Praxis trafen sich am 19. April zum 10. Forum Privater Haushalt des Beratungsdienstes Geld und Haushalt zum Thema: „Der informierte Verbraucher in Finanzfragen – Wunsch oder Wirklichkeit?“. Die Veranstaltung fand im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums von Geld und Haushalt statt.

Spannende Redebeiträge und Diskussionen aus Politik, Wissenschaft und Praxis erwarteten die Teilnehmenden. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie viel Information Verbraucher für eine gute Finanzentscheidung brauchen. Wann sind Verbraucher gut informiert und wann führt die Informationsfülle zur Überforderung?

Das Ringen um die richtige Information

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, eröffnete die Veranstaltung und hob besonders hervor, dass „eine solide finanzielle Bildung zur Grundausstattung für ein selbstbestimmtes Leben gehört.“ Dafür seien Informationen über Finanzen und Finanzprodukte unerlässlich. Dabei sollte die Verhältnismäßigkeit für Kunden und Anbieter aber nicht außer Acht gelassen werden.

Auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Rita Hagl-Kehl bekräftige, dass Verbraucher leicht verständliche und relevante Informationen benötigen, weil die Kapazitäten zur Informationsverarbeitung begrenzt seien. 

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer betonte in seinem Fachvortrag, dass Verbraucher die Verantwortung über ihre Finanzen übernehmen sollten.  Er betonte, dass dazu mehr in Risikokompetenz investiert werden müsse. Einfacher als mit Faktenwissen sei dies mit einer Handvoll Faustregeln, an die sich Verbraucher halten könnten. 

Wie managen Verbraucherinnnen und Verbraucher heute ihr Budget?

Korina Dörr, Leiterin des Beratungsdienstes Geld und Haushalt, stellte im Rahmen der Veranstaltung die Ergebnisse einer aktuellen und repräsentativen Umfrage zum privaten Budgetmanagement vor. Die von Geld und Haushalt beauftragte Umfrage zeige, dass mehr als drei Viertel der Deutschen überzeugt davon sind, mit ihrem Geld gut umgehen zu können. Um die Ausgaben zu erfassen, erfreuten sich Online-Angebote einer steigenden Beliebtheit, aber auch das klassische Haushaltsbuch sei nach wie vor gefragt. 

Was hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern, Finanzentscheidungen zu treffen?

Heinz Landwehr, Chefredakteur Finanztest und Dr. Hans-Georg Häusel, Experte für Neuromarketing, trafen im Gespräch „Zuviel, Zuwenig, das Falsche? Möglichkeiten und Grenzen von Informationen“ aufeinander. Beide waren sich einig, dass die Vielfalt der Finanzprodukte auf dem Markt für die Verbraucher zu komplex ist. Verbraucher müssten in puncto Information in ihrer Lebenswelt abgeholt werden. Dabei sollten Informationen objektiv, verständlich und so kurz wie möglich sein, um dem heutigen Informationsverhalten der Verbraucher Rechnung zu tragen. Auch der Blick in die Zukunft durfte nicht fehlen: Dr. Boris Karcher, Dimler & Karcher Unternehmensberatung, zeigte auf, wie wir uns künftig mithilfe von Maschinen informieren. Er kam zu dem Schluss, dass die künstliche Intelligenz viele Chancen biete, die Risiken dabei aber nicht außer Acht gelassen werden dürften. 
 

Wie viel Information braucht eine gute Finanzentscheidung?

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer politischen Diskussionsrunde zum Thema „Wie viel Information braucht eine gute Finanzentscheidung?“. Teilnehmer waren: Dr. Stephan Harbarth, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU für die Bereiche Recht und Verbraucherschutz, Dr. Gerhard Schick, Finanzexperte der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands sowie Götz Bormann, Vorstandsvorsitzender Förde Sparkasse. Dr. Schick fasst zusammen, dass sich Verbraucherschutz an drei Kriterien messen lasse: Relevanz, Vergleichbarkeit sowie Verlässlichkeit. Auch Klaus Müller hob die Relevanz der Information hervor. Im Rahmen der Finanzberatung sei es deshalb besonders wichtig, dass der Spagat zwischen Kundeninteresse und Provision gewahrt werde. Für Götz Bormann ist es hingegen essentiell, dass Banken und Sparkassen auch weiterhin eine kostenfreie Basisvermögensberatung für alle Verbraucher sicherstellen müssen. Er stellt fest: „Der Kunde kann die Fülle an Informationen aufgrund gesetzlicher Regelungen gar nicht ablehnen“. Dr. Harbarth betonte in diesem Zusammenhang, dass es letztlich nicht auf die Menge der Informationen ankäme, sondern darauf, dass die relevanten Informationen enthalten seien. Dabei könne die Politik aber nur Leitplanken aufstellen; der Bürger muss selbst auswählen und entscheiden dürfen. 

Das 10. Forum Privater Haushalt war eine rundum gelungene Veranstaltung mit spannenden Diskussionen und Vorträgen. Korina Dörr resümiert:  „Wir konnten überzeugend vermitteln, welchen Stellenwert Verbraucherinformation in der heutigen digitalisierten Welt hat und auch künftig noch haben wird.“

Die jährliche Veranstaltungsreihe „Forum Privater Haushalt“ richtet den Fokus auf die besonderen Belange der privaten Haushalte. Das vollständige Programm der Veranstaltung, die Rede des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes sowie die Ergebnisse der Umfrage zum Budgetmanagement finden Sie im rechten Downloadbereich.

Ratgeber

Onlineplaner

Vorträge

Faktenbox Geld

Infothek

Foren

Über uns

Presse

RSS-Feeds von Geld und Haushalt hier kostenlos abonnieren:

RSS-Feed Presse RSS-Feed Verbrauchertipps