Wir freuen uns, dass Sie zur heutigen Vorstellung der neu entwickelten BudgetAnalyse von „Geld und Haushalt - dem Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe“ gekommen sind. Die BudgetAnalyse ist ein Service, der neben der Einnahmen- und Ausgabensituation auch die Bereiche Verschuldung und Vermögensbildung der privaten Haushalte abdeckt. Wir haben dieses Angebot als rechnergestützten Service angelegt, der in erster Linie über das Internet genutzt werden soll. Er steht ab sofort allen Menschen in Deutschland kostenlos zur Verfügung.
Wir stellen Ihnen die BudgetAnalyse heute gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Piorkowsky vor. Er hat an seinem Institut für Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Bonn den theoretischen Unterbau für das Angebot erarbeitet. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Ihnen, Herrn Prof. Dr. Piorkowsky, für die gute Zusammenarbeit im Rahmen dieses Projektes.
Die neue webbasierte BudgetAnalyse für Privathaushalte ist im Kontext eines umfassenden Engagements der Sparkassen-Finanzgruppe für die finanzielle Verbraucherbildung entstanden. Drei Gründe veranlassen uns zu diesem Engagement:
Wir stellen fest, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Umbau der Sozialsysteme die privaten Haushalte vor neue Herausforderungen stellen. In der Konsequenz muss jeder Einzelne mehr Eigenverantwortung tragen. Das macht eine regelmäßige Überprüfung der Budgetstruktur notwendig.
Wir stellen eine steigende Nachfrage nach finanziellen Bildungsangeboten fest. Die Bereitschaft der Bundesbürger, sich intensiver als bisher mit der eigenen Finanz- und Budgetplanung zu beschäftigen, ist groß. Diesen positiven Trend unterstützen wir.
Sparkassen stehen für eine nachhaltige Entwicklung. Sowohl mit der Geschäftspolitik als auch mit dem Engagement im Bereich der finanziellen Bildung zielen wir darauf ab, dass private Haushalte auf lange Sicht ausgeglichen wirtschaften können.
Zu den drei Punkten im Einzelnen:
1. Die finanziellen Herausforderungen
Bedingt durch die demographische Entwicklung, abnehmende Finanzspielräume des Staates und nicht zuletzt auch durch ordnungspolitische Erwägungen verschiebt sich die Verantwortlichkeit für wichtige Lebensbereiche weg vom Staat, hin zum Bürger. Beispiele hierfür sind der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt, steigende Eigenbeiträge bei der gesetzlichen Krankenversicherung und die Notwendigkeit finanzieller Eigenvorsorge über die gesetzliche Altersversorgung hinaus.
Wir halten diese Entwicklung im Grundsatz für richtig. Das Beispiel der Altersversorgung zeigt, dass die steigende Eigenverantwortung auch von der Mehrheit der Bundesbürger akzeptiert wird. Aus unserem Vermögensbarometer, einer repräsentativen Emnid-Umfrage, die wir jährlich durchführen, ergibt sich, dass 54 Prozent der Bundesbürger eine stärkere Absicherung bei der Altersvorsorge grundsätzlich für richtig halten. Acht von zehn Bundesbürgern halten eine private Absicherung über die gesetzliche Rente hinaus für wichtig oder sehr wichtig.
Wir sehen allerdings auch, dass viele Haushalte diese neuen finanziellen Herausforderungen mit knapper werdenden Mitteln bewältigen müssen. Eine gute und langfristig angelegte Budgetplanung hilft, die Mittel, die zur Verfügung stehen, bestmöglich einzusetzen. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass unser Angebot für die Budgetplanung gerade jetzt wichtig und richtig ist.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Immer mehr Haushalte in Deutschland können ihrer Zahlungsverpflichtung nicht mehr nachkommen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat hierzu unlängst alarmierende Zahlen vorgelegt. Demzufolge waren im Jahr 2002 mehr als 3,1 Millionen beziehungsweise 8 Prozent der Haushalte überschuldet. Das entspricht einer Zunahme von 400.000 Haushalten bzw. 15 % im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 1999. Dabei sind in erster Linie Alleinerziehende und Familien mit Kindern betroffen.
Bei genauerer Betrachtung der Schuldenneigung stellt man fest, dass sie unmittelbar mit der finanziellen Bildung zusammenhängt. So zeigt zum Beispiel der Schufa-Schuldenkompass 2004, dass Menschen mit unzureichendem Finanzwissen eine höhere Schuldenneigung erkennen lassen. Jüngere Personen weisen größere Defizite in der finanziellen Bildung auf, als Menschen im fortgeschrittenen Alter. Angebote zur finanziellen Bildung stellen daher auch einen Beitrag zur Überschuldungsprävention dar. Bei den Angeboten von Geld und Haushalt nehmen daher Haushalte mit Kindern und insbesondere Familien einen großen Stellenwert ein.
2. Nachfrage nach Bildungsangeboten steigt
Die Notwendigkeit, aber auch die Nachfrage nach finanziellen Bildungsangeboten nehmen zu. Zahlreiche Umfragen und Studien - zum Beispiel die der Bertelsmann-Stiftung, der Schufa, des Instituts für Finanzdienstleistungen - weisen auf ein unzureichendes finanzielles Wissen der Bundesbürger hin. Sie machen Lücken und Schwächen in den Bildungsangeboten sichtbar. Die Sparkassen-Finanzgruppe will einen Beitrag dazu leisten, diese Missstände zu beseitigen.
Wir tun dies im Bewusstsein einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung, die wir als öffentlich-rechtliche Kreditinstitute haben. Wir betreten mit unserem Engagement kein Neuland. Sowohl bei der schulischen Bildung als auch bei der Erwachsenenbildung können wir auf jahrzehntelange Erfahrungen zurückblicken.
Bildungsangebote wie der Sparkassen Schulservice wurden eigens dafür entwickelt, die Kompetenz junger Menschen in wirtschaftlichen Fragen und der finanziellen Alltagsbewältigung zu stärken.
Der Beratungsdienst Geld und Haushalt richtet sich an Menschen aller Alters- und Einkommensklassen. Ziel ist, die wirtschaftliche Kompetenz in den privaten Haushalten zu stärken und den richtigen Umgang mit Finanzdienstleistungen zu fördern. Geld und Haushalt erstellt Beratungs- und Bildungsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Privathaushalten zugeschnitten sind.
Das Angebot reicht von Ratgeberbroschüren über spezielle Software bis hin zu Vortragsveranstaltungen und der BudgetAnalyse, die wir Ihnen heute vorstellen. Die Beratungsangebote von Geld und Haushalt entstehen häufig in Kooperation mit Partnern aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Stellvertretend für viele darf ich hier das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Universität Bonn oder die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft nennen.
Diese Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig. Sie fördert die Qualität und ist mitentscheidend für den großen Erfolg unserer Bildungs- und Beratungsangebote. So führt Geld und Haushalt jährlich rund 1.400 Vortragsveranstaltungen zu unterschiedlichen finanzrelevanten Verbraucherthemen durch. Auf diesem Wege erreichen wir Jahr für Jahr zwischen 40.000 und 50.000 Menschen.
Auch unsere Publikationen werden von Verbrauchern stark nachgefragt: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 700.000 davon verschickt. Eine steigende Nachfrage verzeichnen wir speziell bei den Ratgeberbroschüren von Geld und Haushalt und hier besonders bei den Haushaltsbüchern und -kalendern, dem Budgetplaner und der Planungssoftware. Sie wurden im vergangenen Jahr um etwa 40 Prozent häufiger bestellt als im Vorjahr.
Wir stellen daher fest: Trotz aller kritischer Diagnosen über die finanzielle Bildung der Bevölkerung nimmt das Interesse der Bundesbürger an einer gezielten Budgetkontrolle zu. Die eben bereits zitierte Emnid- Umfrage ergab, dass sich heutzutage 14 Prozent der Bundesbürger täglich mit ihrer Finanz- und Budgetplanung beschäftigen. Das heißt, sie kontrollieren täglich Einnahmen und Ausgaben und prüfen Kontobewegungen und Kontostände. Von den übrigen 86 Prozent ist die Mehrheit dazu bereit, mehr Zeit in die eigene Budgetplanung zu investieren, wenn sich dadurch die eigene Finanzplanung erheblich verbessert.
Diesen Beweis liefern wir gerne. Unsere Budgetanalyse zeigt den privaten Haushalten auf, wo Chancen und Risiken liegen. Sie gibt Tipps und Anregungen wie sich die persönlichen Ziele mit dem zur Verfügung stehenden Einkommen erreichen lassen.
3. Nachhaltige Entwicklung
Als öffentlich-rechtliche Kreditinstitute machen sich die Sparkassen seit vielen Jahrzehnten für die finanzielle Bildung der Bundesbürger stark. Ziel ist es, den Menschen den verantwortungsvollen Umgang mit Geld nahe zu bringen. Dies findet auch in der Geschäftsausrichtung der Sparkassen ihren Niederschlag. Sparkassen setzen auf langfristige, vertrauensvolle Kundenbeziehungen, anstelle von kurzfristiger Vertriebsmaximierung.
Nehmen Sie das Beispiel Konsumentenkredit. Hier haben die Sparkassen in den vergangenen zehn Jahren das Kreditvolumen um rund 16 Mrd. Euro Mrd. Euro auf knapp 83 Mrd. Euro gesteigert. Der Marktanteil ist im gleichen Zeitraum um rund 4,0 Prozentpunkte auf 35,9 Prozent gesunken. Während andere Anbieter aggressiv in den Markt gegangen sind, haben Sparkassen bewusst auf Neugeschäft verzichtet. Als verlässliche Partner ziehen Sparkassen nicht die Verschuldungsobergrenze privater Haushalte als Vertriebsbenchmark heran.
Trotz ihres hohen Marktanteils sind nur drei Prozent der Klienten von Schuldnerberatungsstellen auch Kunden von Sparkassen. Das ist das Ergebnis einer verantwortungsvollen Kreditvergabe und verlässlicher Betreuung während der Kreditlaufzeit. Gleichwohl unterstützen wir die Schuldnerberatungsstellen finanziell und mit Sachleistungen in Höhe von 5 Mio. Euro im Jahr.
Am langen Ende stehen dabei sowohl die Sparkasse als auch der Kunde besser da. Der Kunde, weil er seine Finanzen im Griff behält. Die Sparkasse, weil sie einen zufriedenen Kunden weiterhin begleiten kann. Die Geschäftsstrategie der Sparkassen hat daher sehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun.
Und wir sehen auch unser Engagement für eine bessere finanzielle Bildung als Engagement für eine nachhaltige ökonomische Entwicklung in Deutschland. Denn wenn es uns nicht gelingt, die finanziellen Strukturen privater Haushalte zukunftsfähig auszugestalten, drohen die finanziellen Belastungen der nachfolgenden Generationen weiter anzusteigen. Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag. Es geht darum, wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Wohlstand mit ökologischer Verträglichkeit stärker in Einklang zu bringen. Auf diese Weise können wir die individuellen Zukunftschancen verbessern. Die Einführung des „Nachhaltigkeitsfaktors“, der die Entwicklung der gesetzlichen Renten an die Entwicklung der Beitragszahler koppelt, zeigt, dass die Politik sich dieser Herausforderung stellt. Wir haben uns daher vorgenommen, den Aspekt der Nachhaltigkeit stärker in unser finanzielles Bildungsengagement zu integrieren.
Die Sparkassen-Finanzgruppe beteiligt sich an der UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“. Sie startet in diesem Jahr mit dem Schwerpunktthema Konsum und nachhaltige Entwicklung. Die BudgetAnalyse ist vor diesem Hintergrund entstanden. Wir hoffen, mit diesem Angebot möglichst viele Haushalte in Deutschland zu erreichen.
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