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DSGV Pressekonferenz BudgetAnalyse -

Statement Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky, Professur für Haushalts- und Konsumökonomik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn


Berlin, 07.02. 2005

Wozu professionelle Budgetanalyse?

Alan Greenspan, der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, hat sich in der Zeitschrift The Futurist in der Ausgabe vom Juli/August 2002 zum Thema „Financial Literacy“ geäußert. Die mit „Finanz-Alphabetismus“ gemeinten Kompetenzen bezeichnet Greenspan als „ein Instrument für wirtschaftlichen Fortschritt“. Besserer Zugang zu finanzwirtschaftlichen Informationen und Instrumenten, so Greenspan, macht Privathaushalte in der Alltagsökonomie erfolgreicher. Hintergrund ist zum einen das häufig fehlende Basiswissen in der amerikanischen Bevölkerung und zum anderen die Zunahme der Komplexität der Finanzmärkte mit der Folge einzel- und gesamtwirtschaftlicher Wohlfahrtseinbußen.
 

In Deutschland ist es nicht anders. Seit Jahren werden fehlende Finanzkompetenzen beklagt. Untersuchungen, u.a. aktuell von der Bertelsmann Stiftung und vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin, belegen den Mangel an finanzwirtschaftlichem Wissen in nahezu allen Schichten der deutschen Bevölkerung. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an das private Finanzmanagement zu. Insgesamt reichen diese Anforderungen von der Abwendung existenzieller Not, wie sie bei einer Überschuldung des Haushalts eintritt, bis zur Optimierung des Budgets für die nachhaltige Gestaltung und Sicherung des privaten Wohlstands.
 

Nicht nur alltägliche Finanzentscheidungen sind zu treffen, sondern fast täglich ist auch über langfristige Optionen der Lebensökonomie nachzudenken. Dazu gehören die Anschaffung langlebiger Gebrauchsgüter und deren Finanzierung, bei Immobilien meistens zusätzlich die Modalitäten der Anschlussfinanzierung, außerdem die Alternativen bei der Bildung von Finanzvermögen sowie bei der zusätzlichen privaten Alters- und Krankenvorsorge und zunehmend auch die Abwägung der Chancen und Risiken von Investitionen in eine Existenzgründung. Aber auch die Angebotspalette an Finanzprodukten wird breiter und einzelne Produkte sind schwerer zu verstehen.
 

Für die Bewältigung der Anforderungen in der Alltags- und Lebensökonomie reicht finanzwirtschaftliches Basiswissen nicht aus. Es bildet lediglich die Grundlage für die gezielte Beschaffung von Informationen und die Nutzung von anspruchsvollen Systemen der Selbstinformation und der Steuerung der privaten Finanzwirtschaft. Die Budgetanalyse ist ein solches Selbstinformationssystem.
 

Im Kern ist eine Budgetanalyse die Gegenüberstellung der Einnahmen und der Ausgaben einer Wirtschaftseinheit, wie sie Unternehmen und Privathaushalte darstellen. Der Zweck ist die Offenlegung der Strukturen der eingehenden und ausgehenden Geldströme und der damit verbundenen Abgabe und Beschaffung von konkreten Gütern und Finanzprodukten. Konkret und beispielhaft: Das monatliche Arbeitseinkommen und der einmalige Verkaufserlös für den veräußerten Pkw werden in Ausgaben für die monatliche Lebenshaltung und den Aufbau einer privaten Altersvorsorge umgewandelt. Insgesamt sollen die Alltags- und Lebensbedürfnisse bestmöglich befriedigt werden. Mittel- und langfristig setzt dies voraus, dass die Ausgaben durch die Einnahmen gedeckt sind.
 

Budgetanalysen liefern die zahlenmäßige Grundlage für die Planung und Kontrolle der privaten Finanzwirtschaft. Sie schaffen damit Transparenz in der Lebenshaltung. Wir finden auch verschiedene Angebote für Haushaltsbudgetanalysen im Markt. Überwiegend sind sie auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten. Dazu gehören kommerzielle Angebote, die eine Budgetanalyse als Grundlage für den Vertrieb von Finanzprodukten einsetzen. Stark nachgefragt sind die Angebote der Schuldnerberatung. Sie richten sich - kurativ, wenn das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen ist - an überschuldete Haushalte und helfen dabei, die Ausgaben und Einnahmen auf niedrigem Niveau im Gleichgewicht zu halten und damit die wirtschaftliche Stabilität des Haushalts zurückzugewinnen. Für präventive Arbeit fehlt den ohnehin zu knapp ausgestatteten Schuldnerberatungsstellen die Kapazität. Ein den Schuldnerberatungsstellen vergleichbares Netz für präventive Beratung gibt es nicht.
 

Eine präventiv ausgerichtete und bundesweit genutzte Budgetanalyse wird seit Jahrzehnten ausschließlich von Geld und Haushalt dem Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe angeboten. Es wurde auch bisher von Zeit zu Zeit modernisiert und ist nun erneut auf den „Stand der Wissenschaft und Technik“ gebracht worden.
 

Wissenschaftliche Grundlagen der neuen BudgetAnalyse
 

Die wissenschaftlichen Grundlagen der neuen BudgetAnalyse des Beratungsdienstes Geld und Haushalt entstammen vor allem der Neuen Haushaltstheorie. Einbezogen sind dabei die neueren betriebs- und volkswirtschaftlichen Erkenntnisse, z.B. über Informationsökonomie, und die aktuellen Forschungsresultate über den sozioökonomischen Wandel in der Gesellschaft. Diese Grundlagen wurden mit bewährten Management-Instrumenten, wie der Bilanz- und Kennzahlenanalyse, verknüpft.
 

Eine Grundorientierung der neuen BudgetAnalyse ist die konsequente Lebenslagen- und Zielorientierung. An den eigenen Zielen und Mitteln müssen der Mitteleinsatz und die Beurteilung des Erfolgs ausgerichtet sein bzw. ausgerichtet werden. In der wirklichen, dynamischen Welt ist dies stets im Fluss. Ziele und Mittel verändern sich. Menschen lernen bewusst und unbewusst. Die neue BudgetAnalyse unterstützt diesen Prozess zum einen durch die Aufforderung, die Ziele genau zu benennen und damit auch zu überdenken und zum anderen durch die Rückmeldung der erzielten Ergebnisse des Haushaltsmanagements.
 

Das Kernstück der BudgetAnalyse ist ein System von finanzwirtschaftlichen Kennzahlen. Mit diesen Kennzahlen werden die Finanzmittel und ihre Verwendung, also Einnahmen und Ausgaben, insgesamt und in Teilen abgebildet und durch Rechenoperationen so verknüpft, dass ausgewählte Aspekte der privaten Finanzwirtschaft hervorgehoben und kritisch beleuchtet werden können. Beispiele dafür sind das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben insgesamt, also die Deckung, sowie das Verhältnis von regelmäßigen und unregelmäßigen Einnahmen und das Verhältnis von festen und veränderlichen Ausgaben. Es ist unmittelbar einsichtig, dass diese Kennzahlen wichtige Informationen über Handlungsspielräume und Anhaltspunkte für Handlungsstrategien liefern. Durch Kennzahlen gewinnt eine Budgetanalyse folglich an Aussagekraft und Übersichtlichkeit.
 

Ausgangspunkt der BudgetAnalyse ist eine Budgetgleichung, in der die Einnahmen und die Ausgaben in analytisch interessierende Komponenten zerlegt sind. Auf der Einnahmenseite sind die Hauptkomponenten: (1) regelmäßige Einnahmen, (2) unregelmäßige Einnahmen und (3) Einnahmen aus Vermögen. Auf der Ausgabenseite sind die Hauptkomponenten: (1) Ausgaben für Lebenshaltung, (2) Ausgaben für Geldvermögensbildung, (3) Ausgaben für Sachvermögensbildung und (4) Ausgaben für Zahlungsverpflichtungen. Die Hauptkomponenten sind entsprechend den real möglichen Bereichen der Einkommensherkunft und Einkommensverwendung tiefer untergliedert. Auf der Einnahmenseite werden z.B. die Positionen Erwerbseinkommen, staatliche Transfers und private Zahlungen unterschieden. Und auf der Ausgabenseite finden sich u.a. die Positionen für den Alltagsbedarf sowie für Finanzvermögensbildung und für Versicherungen.
 

Ergänzt wird die beschreibende Kennzahlenanalyse durch eine Beurteilung auf Grund genereller Budgetregeln. Diese basieren auf Erfahrungswerten und Plausibilitätsüberlegungen. Sie sind in Anlehnung an vergleichbare Regeln der Betriebswirtschaftslehre für Unternehmen entwickelt worden. Beispielhaft sei die sog. Goldene Bilanzregel genannt, der zufolge das Anlagevermögen durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital gedeckt sein soll. Die für die neue BudgetAnalyse formulierten Budgetregeln für Privathaushalte betreffen z.B. den Grad der Deckung von Ausgaben durch Einnahmen, den Anteil der regelmäßigen Einnahmen an den gesamten Einnahmen und den Anteil der festen Ausgaben an den gesamten Ausgaben. Unter- oder Überschreitungen kritischer Normwerte werden als Warnsignale dokumentiert.
 

Zu den wissenschaftlichen Grundlagen gehört auch die Nutzung der repräsentativen Haushaltsbudgets der amtlichen Statistik. Das Statistische Bundesamt erhebt solche Daten jährlich in einem standardisierten Verfahren. Aus den veröffentlichten Daten über die Einnahmen und Ausgaben aller Privathaushalte werden Datensätze gewonnen, die nach Haushaltstypen und Einkommensklassen differenziert sind, und in der individuellen BudgetAnalyse als zusätzliche Information angeboten.
 

Umsetzung des Konzepts als webbasierte BudgetAnalyse
 

Das Angebot der BudgetAnalyse im World Wide Web entspricht der Zielsetzung, ein komfortables Instrument nach dem Stand der Technik für prinzipiell alle Haushalte zu bieten. Einen persönlichen Zugang zum Internet haben heute bereits über die Hälfte der Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland. Nach wie vor gibt es aber auch den traditionellen Weg mit der gelben Post.
 

Die webbasierte Lösung wurde von dem Bonner Software-Entwickler 11com7 GmbH entwickelt. Technisch gesprochen handelt es sich um eine Web-Applikation mit einem regelbasierten Expertensystem für die BudgetAnalyse. Anfragen können direkt von den Haushalten komfortabel online eingegeben oder per Briefpost eingesendet werden. Für die Nutzer und Nutzerinnen erscheint die Eingabe- und Ausgabemaske auf dem heimischen Bildschirm wie eine normale Programmoberfläche bekannter Anwendersoftware.
 

Die Daten der Anfragen werden von dem Regelsystem auf dem Server im Hintergrund verarbeitet. Dazu gehören insbesondere die Bildung von Summen, Differenzen und Quotienten der finanzwirtschaftlichen Größen, die Anwendung der normativen Budgetregeln und der Vergleich mit den genannten eigenen Zielsetzungen. Außerdem werden repräsentative Haushaltsbudgets der amtlichen Statistik fallspezifisch zusammengestellt. Schließlich erstellt das System aus über 150 Textblöcken ein 12 bis 16 Seiten umfassendes Antwortschreiben.
 

Die Datensicherheit hat im gesamten Prozess der BudgetAnalyse oberste Priorität. Neben der fachlichen Qualität der Analyse wird dem Datenschutz besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die gesamte Kommunikation zwischen dem Web-Server und dem heimischen Browser wird durch eine SSL-Verschlüsselung sicher kodiert. Dieses Verfahren wird in der Regel auch beim Homebanking eingesetzt. Alle Benutzer und Benutzerinnen erhalten eine persönliche Kennung mit Passwort und müssen sich damit zu Beginn jeder Sitzung anmelden. Bei jeder Aktion wird geprüft, ob die angemeldete Person über die notwendigen Rechte verfügt. Irrtümliche oder beabsichtigte Verstöße, zum Beispiel der Versuch, auf fremde Daten zuzugreifen, werden abgeblockt und zentral aufgezeichnet. Der irrende Nutzer oder „Angreifer“ erhält außerdem eine Mitteilung über sein Fehlverhalten.
 

Zusammenfassend ist festzustellen: Die professionelle Budgetanalyse ist in der Informations- und Wissensgesellschaft im Jahr 2005 als BudgetAnalyse angekommen.
 

 

Download-Links:
Rede (PDF, 106kb) Pressefoto (jpeg, 179kb) Tonbeitrag (mp3, 5.2mb)

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