Berlin, Juli 2007. Geld und Haushalt - Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe fördert finanzielle Allgemeinbildung privater Haushalte.
Wann wird aus einem allgemeinen ein Top-Thema? Wenn Interessengruppen es in der Öffentlichkeit erkennbar vertreten? Wenn Politiker sich intensiver damit beschäftigen? Vielleicht! Wenn es aber zudem von TV-Sendern mit eigenständigen Formaten aufgegriffen wird, die Titelseite von Deutschlands größter Boulevardzeitung schmückt und dort in einer mehrtägigen Serie behandelt wird, dann ist ein Thema spätestens in der Gesellschaft angekommen. Genau dies geschah zuletzt mit dem Thema „Schulden und Überschuldung“.
Der Grund für dieses mediale Interesse ist nachvollziehbar, denn die Überschuldung privater Haushalte hat in den letzten Jahren besorgniserregende Ausmaße angenommen. Die Rede ist von 3,14 Mio. Haushalten oder 7,2 Millionen Personen, die „finanziell am Abgrund“ stehen. Im laufenden Jahr wird mit rund 130.000 Privatinsolvenzen gerechnet. Jenseits dieser quantitativen Betrachtung handelt es sich in erster Linie um ein qualitatives Problem mit vielfältigen Ursachen, die in Gestalt von Schicksalsschlägen wie Krankheit, Tod des Partners, Arbeitslosigkeit, Trennung etc. auftreten können.
Bei genauerer Betrachtung wird aber eines zusätzlich deutlich: Es fehlt den Menschen in aller Regel an wirtschaftlichen Kompetenzen, um den Alltag finanziell erfolgreich zu bewältigen und sich auf geänderte Rahmenbedingungen flexibel einzustellen. Das eigentliche Top-Thema hinter der Überschuldungsproblematik heißt daher „Finanzielle Bildung“.
„Finanzielle Bildung“ ist aber deutlich mehr als lediglich ein Instrument zur Prävention vor Überschuldung. Vielmehr handelt es hierbei um die Vermittlung von Kompetenzen, die für eine um- und weitsichtige Lebensplanung von elementarer Bedeutung sind. Menschen stehen in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Meist gehen die Träume ein gutes Stück weiter als es die finanzielle Realität zulässt. In solchen Fällen sind strategische und planerische Kompetenzen gefragt. Es kommt darauf an, die richtigen Fragen zu stellen und die passenden Antworten zu geben, zum Beispiel: Was ist mein finanzieller Rahmen? Wie kann ich meine Einnahmen und Ausgaben gestalten? Wie priorisiere ich meine Wünsche? Von welchen Wertemustern lasse ich mich leiten? Wie nutze ich Finanzdienstleistungen richtig?
Finanziellen Rahmen erkennen
Der finanzielle Rahmen ist für jeden Einzelnen zunächst einmal ein individueller und dynamischer Aspekt. Dennoch bestehen abhängig vom Personenkreis auch gewisse kollektive Faktoren, die von großer Bedeutung sind, beispielweise rechtliche Rahmenbedingungen, die persönliche Verantwortung oder Sachzwänge, die sich aus einer bestimmten Lebensphase ergeben. So bewegen sich Jugendliche auch aufgrund Ihrer nur eingeschränkten Geschäftsfähigkeit in einem grundlegend anderen finanziellen Rahmen bzw. Umfeld als Singlehaushalte. Deren Belange unterscheiden sich wiederum deutlich von denen einer Familie oder älterer Menschen. Für jeden Menschen ist es wichtig zu wissen, welche Faktoren den eigenen finanziellen Rahmen bestimmen und ob bzw. wie er diese gestalten kann.
Budgetplanung
Die Fähigkeit, sein privates Budget zu planen und zu verwalten ist eine Basiskompetenz, auf die kein Haushalt verzichten kann oder sollte. Das heißt zunächst einmal, Einnahmen und Ausgaben in ein gutes Verhältnis zu bringen. Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben als einnehmen. Auch bei der Budgetplanung gibt es umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten, z. B. die Verbesserung oder Ergänzung der Einnahmenseite durch Einsatz der eigenen Arbeitskraft, die Nutzung steuerlicher Aspekte oder optimierte Formen der Geldanlage.
Auf der anderen Seite müssen die Ausgaben kontrolliert werden. Heutzutage wenden Privathaushalte in aller Regel zwei Drittel oder einen noch höheren Anteil ihres Budgets für feste Ausgaben auf. Hierbei handelt es sich um Ausgaben, die in Höhe und Frequenz kurz- oder mittelfristig nicht oder kaum gestaltbar sind. Dazu zählen Ausgaben wie Miete, Mitgliedsbeiträge, Versicherungsbeiträge, Abonnements etc. Nur knapp ein Drittel des Budgets ist für einen Privathaushalt gestaltbar. Schon allein diese Einschränkung zeigt, wie wichtig es ist, die Ausgabenseite so effizient wie möglich zu gestalten.
Wünsche priorisieren, Wertemuster erkennen
Menschen haben Bedürfnisse und Wünsche. Sind diese eher von materieller Art, stellt sich stets auch die Frage nach der Finanzierung, ganz besonders dann, wenn sie mit dem aktuellen Budget oder dem vorhandenen Vermögen nicht realisierbar sind. In solchen Situationen ist eine Priorisierung geboten, das heißt eine Bewertung hinsichtlich der Dringlichkeit der Bedürfnisse und Wünsche oder eine Korrektur auf der Zeitachse einer möglichen Realisierung. Auch hier gilt es die richtigen Fragen zu stellen, damit am Ende eine individuelle und nachhaltige Priorisierung erfolgen kann.
Bedürfnisse und Wünsche entspringen aus konkreten Wertemustern, die die Persönlichkeit des Menschen grundsätzlich oder in bestimmten Lebensphasen prägen. Eher materiell orientierte Personen werden in der Regel weniger ideelle Wünsche haben, umgekehrt haben Menschen mit stärker ideell geprägten Wertemustern meist nicht so viele materielle Wünsche. Das individuelle Konsumverhalten ist ein Ausdruck der persönlichen Wertedisposition. So bringt die aktuelle Diskussion um den Klimawandel immer mehr Menschen dazu, ihr Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen und ggf. mit Blick auf mehr Nachhaltigkeit zu korrigieren. Die „Geiz-ist-geil“-Ära scheint gesellschaftlich derzeit von einer Renaissance des Qualitätsbewusstseins abgelöst zu werden.
Umgang mit FDL
Finanzdienstleistungen sind Hilfsinstrumente für die persönliche Lebensplanung. Deshalb ist es von immenser Bedeutung, für die persönlichen Zielsetzungen immer die richtigen Instrumente zu wählen bzw. die verfügbaren Instrumente richtig zu nutzen. Die skizzierten und stark auf die persönliche Situation des Einzelnen bezogenen Aspekte bilden das Fundament für ein ganzheitliches Konzept finanzieller Bildung. Darauf kann und sollte die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit Finanzdienstleistungen aufbauen, damit sich nachhaltige Lerneffekte einstellen und die Handlungskompetenzen des Einzelnen spürbar verbessern.
Im Kern geht es darum, in allen wesentlichen Finanzdienstleistungsbereichen Orientierungswissen und Handlungskompetenzen zu vermitteln: Da das Girokonto zur Grundausstattung eines jeden Haushaltes gehört, geht es zunächst um Basiswissen im Umgang mit dem Konto als Instrument zur Steuerung von Zahlungsströmen und der Liquidität. Weitere Kompetenzfelder sind die Nutzung von Finanzierungsinstrumenten, wie beispielsweise Konsumentenkredite oder Leasingangebote sowie die Absicherung von Risiken durch geeignete Versicherungsprodukte. Last but not least ist die Fähigkeit zur systematischen und strukturierten Vermögensbildung von signifikanter Bedeutung, dies vor allen Dingen vor dem Hintergrund der privaten Vorsorge für das Alter oder die Ausbildung.
Ein ganzheitliches Bildungskonzept zeichnet sich dadurch aus, dass es sich immer wieder neuen Anforderungen anpasst. Deshalb könnten in einem erweiterten Ansatz auch Aspekte wie die Existenz- und Unternehmensgründung oder generationenübergreifend auch Fragen der Vermögensübertragung in Zukunft eine zunehmende Rolle spielen.
Ganzheitlich und nachhaltig
Die Sparkassen-Finanzgruppe präferiert bei ihren Anstrengungen zur Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung einen ganzheitlichen Ansatz. Auf dieser Grundlage hat Geld und Haushalt - Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot entwickelt. Das Angebot liefert einen wichtigen Baustein für eine nachhaltige finanzielle Lebensplanung privater Haushalte und damit auch zur Prävention vor Überschuldung. Geld und Haushalt ist für diese Ausrichtung schon im Jahr 2005 als offizielles Projekt der von den Vereinten Nationen ausgerufen Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet worden.
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