Berlin, Juli 2007. Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt Bank of Albania.
Monat für Monat erhalten hunderttausende von albanischen Haushalten ihre Lohn- und Gehaltszahlungen – in den überwiegenden Fällen in barer Münze, denn der bargeldlose Zahlungsverkehr wird nur ungern genutzt. Für eine prosperierende Entwicklung der albanischen Wirtschaft ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, dass das vorhandene Geldvermögen – über Ersparnisse im Finanzsektor - in den Wirtschaftskreislauf zurück gelangt. Nur so werden die dringend erforderlichen Investitionen der albanischen Wirtschaft unterstützt.
Dies geschieht derzeit nicht in ausreichendem Maß, da viele Albaner nur wenig Vertrauen in den Finanzsektor haben, die Angebote der Banken nicht oder nur unzureichend kennen und daher auch nicht nutzen. Nur mit einem funktionierenden Bankensystem kann aber die Aufnahme in die EU, die Ministerpräsident Sali Berisha für das Jahr 2012 anstrebt, gelingen.
Eine wichtige Rolle spielt hier die albanische Zentralbank – diese sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, das Vertrauen der Bevölkerung in das Finanzsystem zu stärken. Neben der gewissenhaften Wahrnehmung der Aufsichtspflichten über die Banken und den Finanzsektor, die eine Wiederholung der Krise von 1997 verhindern soll (damals war im Gefolge des Zusammenbruchs eines Pyramidensystems eine ernste politische Krise aufgetreten), möchte die Zentralbank die Bevölkerung mit Wirtschafts- und Finanzinformationen vertraut machen. Eine ziemliche Herausforderung, denn bisher ist das Interesse an Wirtschaftsthemen eher mäßig.
Seit November 2006 unterstützt die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation die albanische Zentralbank bei ihrem Vorhaben, die finanzielle Allgemeinbildung der albanischen Bevölkerung zu stärken. Finanziert wird das Projekt durch die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die Sparkassenstiftung wird eng begleitet durch „Geld und Haushalt – Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe“ damit kann das Know-how und die jahrzehntelange Erfahrung rund um die Themen „Haushalt“ und „Finanzen“ nun erstmals international genutzt werden.
Neue Wege der Kommunikation finden
Wie spricht man die Menschen in Albanien an, um sie für das Thema „Finanzen“ oder „Haushaltsplanung“ zu interessieren? Welche Rolle spielt hierbei die albanische Zentralbank? Intensive Gespräche in Albanien machten eines deutlich: es sind neue Wege der Kommunikation zu finden. Der Umgang mit Geld muss zu einer privaten, zu einer persönlichen Angelegenheit werden und muss sich an den Bedürfnissen der albanischen Bevölkerung orientieren. Denn nur wenn sich der Verbraucher persönlich angesprochen fühlt, können seine vorhandenen Barrieren bei Wirtschafts- oder Finanzthemen nachhaltig überwunden werden.
Wie lässt sich das erreichen?
Medien wie Fernsehen, Radio oder Zeitung gehören in Albanien zu wichtigen Meinungsbildnern, da sie einen Großteil der Bevölkerung erreichen. Unser Partner, die Bank of Albania, arbeitet daher seit Jahren mit ihnen zusammen. Sie nutzt diese Kooperation, um die aus ihrer wirtschaftspolitischen Funktion heraus erwachsenden Aktivitäten publik zu machen, um über ihre europaweiten Aktivitäten zu informieren oder um neue Informationsbroschüren bekannt zu machen, die sie für Schulen, Universitäten oder den privaten Hausgebrauch erarbeitet hat. Für einige große albanische Tageszeitungen führt sie in regelmäßigem Turnus Schulungen für Wirtschaftsjournalisten durch, um sicherzustellen, dass ökonomische Sachverhalte richtig dargestellt werden, denn entsprechende Fachkompetenz ist seitens der Journalisten nicht immer gewährleistet.
Die neue Kommunikationsstrategie der albanischen Zentralbank sieht vor, dass die Printmedien in die Verbraucherbildung einbezogen werden. Künftig wird jedes Vierteljahr eine speziell zu schaffende Verbraucherseite in einer auflagenstarken Tageszeitung veröffentlicht, die jeweils ein bestimmtes Bedürfnis der albanischen Bevölkerung behandelt. Denkbar sind Themen wie Altersvorsorge, Ausbildungsfinanzierung – oder die Finanzierung langlebiger Gebrauchsgüter. Denn der Wunsch nach Konsum steht auch in Albanien an oberer Stelle.
Ein neues Auto, eine schicke Wohnzimmereinrichtung, ein leistungsstärkerer Computer – diese Wünsche wurden zum Anlass genommen, um das Thema „Stärkung der finanziellen Allgemeinbildung“ redaktionell derart aufzubereiten, dass der albanische Leser sich persönlich angesprochen fühlt. Die Feststellung „ich möchte auch gern ein neues Auto fahren“ fordert beim Leser verschiedenste Fragen heraus: Was kostet das Auto? Habe ich genug gespart, um es mir kaufen zu können? Wie spare ich am besten? An welche Bank wende ich mich für einen Kredit? Welche Unterlagen benötige ich dafür? Auf solche Fragen wird der Leser der Verbraucherseite in Artikeln, Interviews, Grafiken, Bildern, etc. künftig praktische Antworten finden.
Basisinformationen über Finanzdienstleistungen
Als praktische Arbeitshilfe für den Verbraucher erstellt die albanische Zentralbank eine Broschüre mit dem Titel „Zukunft planen – Finanzen gestalten“, bei der es sich erstmals nicht um eine reine Informationsbroschüre handelt, sondern die Funktionen eines Haushaltsbuches werden mit Basisinformationen über Finanzdienstleistungen verbunden. Einerseits informiert die Broschüre den Leser über den richtigen Umgang mit Geld, komprimiert auf jeweils 2-4 Seiten zu Themen wie „Mein Girokonto – Schlüssel in die Welt der Finanzen“ oder „Geld anlegen – so wird’s gemacht“, zugleich dient sie als Planungshilfe, mit der der Verbraucher seine eigenen Budgetdaten verarbeiten kann („Haushaltsbuchführung – so geht’s“). Die Broschüre kann bei der albanischen Zentralbank bestellt oder persönlich bei ihr abgeholt werden.
Darüber hinaus runden spezielle Rechentools auf der Internetseite der Bank of Albania, z.B. Zinsrechner für eine Einmalgeldanlage oder für Ratensparen, das Informationsangebot für den Verbraucher ab.
Das gesamte Maßnahmenpaket, das im Laufe der kommenden Monate fertig gestellt werden soll, dient dazu, mündige Verbraucher in die Lage zu versetzen, Finanzdienstleistungsangebote zu verstehen, sie zu vergleichen und die finanziellen Auswirkungen bestimmter Geldanlage- oder Kreditentscheidungen im Voraus abzuschätzen. Die Bank of Albania wird damit ihrer zentralen Rolle für den Bereich „finanzielle Bildung“ gerecht.
(Quelle: DieSparkassenZeitung, 20.07.2007,
Stephanie Hagemann - Sparkassenstiftung für internationale Kooperation )
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