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Richtig haushalten

Wer seine Ausgaben im Blick hat kann sie leichter ausgleichen und behält am Ende des Monats sogar Geld übrig.


Online-Programme und Handy-Apps machen die monatliche Budgetplanung komfortabel und einfach. Aber auch das gute alte Haushaltsbuch hat noch lange nicht ausgedient. Hilfe gibt's auch beim Beratungsdienst "Geld und Haushalt" der Sparkassen-Finanzgruppe.

Die Miete macht es. Sie ist der größte Batzen, der jeden Monat vom Konto geht und sollte daher laut Experten ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen. Dann gibt es da noch das Auto, Essen, Trinken, Ausgehen, Reisen, Handy, neue Schuhe, Kleidung und nicht zu vergessen, den Kaffee um die Ecke und das Eis auf die Hand. Bei so vielen Ausgaben gestaltet sich die Übersicht schwierig – und so herrscht bei vielen schon vor Monatsende Ebbe auf dem Konto. Da helfen nur: Disziplin und konsequente Buchführung.


Gerade kleine Ausgaben bringen viele ins Schlingern


"Es lohnt sich definitiv, aufzuschreiben, wofür man sein Geld so ausgibt", sagt Frank Hardt, Leiter des Beratungsdienstes "Geld und Haushalt" beim Deutschen Sparkassen und Giroverband. Es seien gerade die kleinen, nebenbei getätigten Ausgaben, die viele Haushalte am Monatsende ins Schlingern kommen lassen.

Erster Schritt: Sich einen Überblick über die festen Ausgaben verschaffen. Habe ich die richtigen Versicherungen? Sind sie nicht zu teuer? Verbraucherschützer empfehlen auf Jahresverträge umzustellen, weil fast alle Versicherungsgesellschaften Zuschläge für monatliche oder vierteljährliche Zahlung verlangen. Ein Komplettcheck der Finanzen sollte mindestens alle drei Jahre erfolgen oder wenn sich die Lebenssituation, z.B. durch die Geburt eines Kindes, verändert. Auch der Spritverbrauch des Autos verdient einen skeptischen Blick. Gleiches gilt für die Handyrechnung und den Stromtarif. "Man sollte Tarife finden, die zu einem passen", sagt Haushaltsexperte Hardt.


Alle Ausgaben müssen auf den Prüfstand


Zweiter Schritt: die kleinen, täglichen Ausgaben begrenzen. Wer seine Schwachstellen kennt, kann sie besser beheben – und dabei helfen Notizen. Alle Ausgaben müssen auf den Prüfstand. "Ein Haushaltsbuch ist ein altes Mittel, aber vollkommen modern", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Steht da immer ein Minus, wird es kritisch." Wer seine Einnahmen nicht erhöhen kann, müsse eben seine Ausgaben senken. Dies sei mit etwas Kalkül sogar möglich, ohne gleichzeitig den Lebensstandard zu senken. "Es geht nicht darum, zum Pfennigfuchser zu werden", betont Haushaltsexperte Hardt. Aber darum, Sparpotenziale zu entdecken. Gerade im Haushalt lässt sich an Nebenkosten einiges einsparen: Zeitschaltuhren senken die Heizkosten, Energiesparlampen den Stromverbrauch, der Blick ins unterste oder oberste Fach des Supermarktregals sorgt dafür, dass auch günstigere Produkte im Einkaufswagen landen.

Einkaufslisten helfen ebenfalls, unnötige Ausgaben zu vermeiden. Beim Einkauf von Elektronik und Kleidung sollte man sich auf Vorjahresmodelle konzentrieren. Die sind meist günstiger. Oft ist es auch hilfreich, sich nicht spontan zu entscheiden. Am nächsten Tag ist die Espressomaschine oder der tolle Pulli vielleicht schon nicht mehr ganz so attraktiv. "Auch Preissuchmaschinen im Internet helfen da", sagt Verbraucherschützer Tryba.


"Geld und Haushalt" hilft in jeder Lebensphase


Egal, ob im Taschengeld-Alter oder als Senior: Strategien zum richtigen Haushalten gibt es für jede Lebensphase. Der Sparkassen-Beratungsdienst "Geld und Haushalt "bietet kostenlose Broschüren, Haushaltsbücher und -kalender für jede Lebensphase an. Überdies gibt es die Taschengeld-App fürs Handy oder die Online-BudgetAnalyse.
Das war auch die Grundüberlegung der "Zentralstelle für rationelles Haushalten", wie "Geld und Haushalt" bei der Gründung Ende der 50er-Jahre noch hieß. Damals ging es um die Bildung der Hausfrauen, die oft das zugeteilte Haushaltsgeld der Familie möglichst sinnvoll verwalten mussten.


Konsumentenwünsche wachsen - das Budget nicht

Auch heute gibt es in puncto ökonomische Bildung noch einiges zu tun: Mehr als 6,5 Millionen Bundesbürger galten laut Schuldenatlas im vergangenen Jahr als überschuldet, nach der Krise im Jahr 2009 waren es deutlich mehr als in den Jahren zuvor. "Die Gründe sind vielfältig", sagt Hardt. Meist seien es Veränderungen der Lebenssituation, wie Arbeitsplatzverlust, Scheidung oder Krankheit. "Das Konsumverhalten kommt als ein weiterer Faktor dazu. Konsumwünsche und ihre Erfüllung sind schneller und vielschichtiger geworden." Das vorhandene Budget allerdings wächst in der Geschwindigkeit nicht mit.


"Haushalten ist wie eine Diät"

Hinzu kommt: Es ist vollkommen unpopulär geworden, auf etwas zu sparen. "Da werden heute viele Kunden mit Ratenzahlungen und Nullprozent-Finanzierungen von Möbelhäusern und Elektromärkten geködert", sagt Verbraucherschützer Tryba. "Aber die Raten müssen eben auch einkalkuliert werden." Gefahren lauern im Online-Handel ebenso wie in den Geschäften vor Ort, ist der Verbraucherschützer überzeugt. Kreditkarten oder Dispolimits auf dem Konto dürfe man hingegen nicht unbedingt die Schuld dafür geben, dass manche Menschen mehr Geld ausgeben, als sie haben. "Das ist eher eine Mentalitätsfrage", sagt auch "Geld-und-Haushalt"-Chef Hardt. So mancher Bankkunde lebe nach dem Motto: "So lange der Automat etwas hergibt, nehme ich es." Daher helfe auf Dauer nur, aufzuschreiben, wo jeder Schein bleibt. "Haushalten ist wie eine Diät: Man braucht viel Disziplin – und vernünftige Ziele."
 
[Quelle: BerlinerAkzente - Das Kundenmagazin der Berliner Sparkasse, Oktober 2011]

 

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