Berlin, September 2008. Wie bekommen Kinder Bezug zum Geld?
Vorbildcharakter der Eltern / „Finanzielle Bildung“ durch Elternhaus und Schule wichtig.
„Hi Dieter! Ich kann einfach nicht sparen! Kannst Du mir nicht vielleicht erklären, wie ich es schaffe, ein bisschen Geld auf die Seite zu legen?“ In der Rubrik „Frag den Bohlen“ des Jugendmagazins „Bravo“, offenbarte sich Nathalie (12) kürzlich mit einem Problem, das sie mit vielen Jugendlichen teilt: Sie kann nicht mit Geld umgehen. Doch wie bekommen Kinder einen Bezug zum Geld? Wie lernen sie damit umzugehen? Welche Bedeutung haben das Elternhaus und die Schule bei der „Gelderziehung"?
Pop-Titan Bohlen rät Nathalie dazu sich Regeln aufzustellen wie zum Beispiel: "Ich bekomme jetzt 15 Euro, davon spare ich fünf – egal was passiert.“ Und da die „Vorfreude ja bekanntlich die schönste“ sei, solle sie sich „nach ein paar Monaten belohnen“, in dem sie sich von dem Ersparten etwas Schönes kauft. „Das ist auch wichtig für Dein späteres Leben: Du musst früh lernen, mit Deinem Geld zu wirtschaften, sonst steckst Du vielleicht irgendwann in der Schuldenfalle!“, rät der Millionär und streift damit ein Phänomen unserer Gesellschaft: Auf dem Papier waren Deutschlands Kinder und Jugendliche noch nie so reich wie heute. Gleichzeitig mehren sich die Fälle, in denen sie etwa durch horrende Handy-Rechnungen meist unwissentlich in der Schuldenfalle landen.
Verhaltensmuster der Eltern prägen
Die Ursache dafür sehen Experten darin, dass diese Kinder meist den bewussten Umgang mit Geld nicht gelernt haben. Vorbildcharakter haben bei dieser Lektion fürs Leben zunächst vor allem die Eltern. „Was sie ihren Kindern als Verhaltensmuster vorleben, prägt in der Regel auch deren Finanzverhalten im Erwachsenenalter“, erklärt Reiner Hardt von Geld und Haushalt – Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe. In zweiter Linie steht die ökonomische Bildung, die junge Menschen vordergründig in der Schule erfahren. Der Grundstein dafür sollte nach Ansicht der Experten, die sich bei Geld und Haushalt mit dem Thema „Finanzielle Bildung“ beschäftigen, bereits in der Grundschule gelegt werden. „Sobald Kinder Rechnen lernen, sollten sie auch die Möglichkeit erhalten, dieses Können im Umgang mit Geld anzuwenden“, empfiehlt Reiner Hardt und ergänzt: „Ein wichtiger Beitrag finanzielle Eigenverantwortung zu lernen, ist das Taschengeld.“
Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage hat Geld und Haushalt kürzlich festgestellt, dass bereits fast jedes dritte Kind (27 Prozent) unter sechs Jahren regelmäßig Taschengeld erhält – und zwar im Durchschnitt 3 Euro monatlich. In der Altersgruppe 6 bis 13 Jahre sind es 77 Prozent mit durchschnittlich 14 Euro pro Monat. Und bei den 14- bis 18-Jährigen stehen 84 Prozent durchschnittlich 36 Euro Taschengeld im Monat zur Verfügung. „Das ist ein Schritt der Eltern in die richtige Richtung“, unterstreicht Hardt und merkt an: „Leider begründeten 55 Prozent der Eltern, die ihren Kindern kein Taschengeld zahlen, dies in der Umfrage damit, dass das Kind zu jung sei. Acht Prozent waren der Ansicht, dass ihr Kind (noch) nicht mit Geld umgehen könne.“ Lediglich fünf Prozent der Eltern räumten in der Umfrage ein, dass sie nicht genug Geld hätten, um Taschengeld geben zu können.
Offen in der Familie über Geldangelegenheiten reden
Als erfreulich bewertete Reiner Hardt, das immerhin zwei Drittel der befragten Eltern angaben, mit ihren Kindern über Geldangelegenheiten der Familie zu sprechen. „Westdeutsche Haushalte sind hier aber etwas offener“, erklärt Hardt und konkretisiert: „Während in Ostdeutschland nur etwa die Hälfte der Haushalte mit den Kindern über Geldthemen spricht, sind es in Westdeutschland 70 Prozent.“
Der Umgang innerhalb einer Familie mit dem Thema Geld prägt das Konsumverhalten der Kinder. Wenn über Einnahmen und Ausgaben offen gesprochen wird, können Kinder miterleben und verstehen, warum es wichtig ist, die Finanzen stets im Blick zu halten. Aber auch, dass es Wünsche gibt, die man sich unter Umständen erst nach einer längeren Sparphase erfüllen kann. „Eltern sollten ihren Kindern mit dem eigenen Konsumverhalten vorleben, wie sie haushalten“, rät Reiner Hardt und ergänzt: „Durch preisbewusstes Agieren demonstrieren sie: Nur wenn das alle Familienmitglieder auch so tun, kann man sich gemeinsam größere Wünsche wie einen Familienurlaub erfüllen.“ Damit erhält der bewusste Umgang des Nachwuchses mit dem Thema Geld nach Ansicht des Experten ein solides Fundament.
„Finanzielle Bildung“ wird laut Reiner Hardt aber erst daraus, wenn Eltern und Schule gleichermaßen dafür sorgen, dass Kinder wissen, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht (dauerhaft) übersteigen dürfen und wie ein Girokonto funktioniert. Natürlich sollten sie auch wissen, wie eine Kreditaufnahme funktioniert – und wie die Konsequenzen aussehen, wenn der schnelle Konsum auf Kredit in die Schuldenfalle führt. Und wie Dieter Bohlen sollten sie verinnerlichen: „Es ist ein tolles Gefühl, etwas auf der hohen Kante zu haben.“ Daher sollte auch der Part des regelmäßigen zinsbringenden Sparens nicht außer Acht gelassen werden.
Für Eltern und Jugendliche, die sich mit dem Thema „Finanzielle Bildung“ auseinandersetzen möchten, bietet der Beratungsdienst Geld und Haushalt zahlreiche allgemein verständliche, werbefreie Ratgeber. Als kostenlose Hilfen für Budget-Planung und Haushaltsbuchführung stehen neben Broschüren auch entsprechende Tools für PC- und Handy auf der Homepage www.geld-und-haushalt.de bereit. Dort, oder telefonisch unter 0180 1 - 54 74 90 können auch die Ratgeber kostenlos bestellt werden.
(Quelle: nordpress, September 2008)
| zurück | nach oben |