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Finanzen im Griff - auch mit weniger Geld


Berlin, März 2007. Neuer VortragService des Beratungsdienstes „Geld und Haushalt“ basiert auf dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ und setzt auf Überschuldungsprävention.

„Wie viel Geld geben sie im Monat für Lebensmittel aus?“ Martina Haack spricht von Budgetplanung und schaut dabei in fragende Gesichter: Warum planen, bei dem bisschen Geld, das wir haben. Die Rechtsanwältin hält vor fünfzehn Langzeitarbeitslosen und „Ein-Euro-Jobbern“ aus dem Landkreis Bad Doberan den Vortrag „Finanzen im Griff – auch mit weniger Geld“. Sie vermittelt Grundlagen wirtschaftlicher Kompetenz: Einnahmen- / Ausgabenaufstellung mit einem Haushaltbuch. Nach zwei Stunden Budgetplanung in Theorie und Praxis „rauchen die Köpfe“ der Teilnehmer. Anfängliche Skepsis ist in Begeisterung umgeschlagen: „Morgen fange ich an und führe Haushaltsbuch.“

Martina Haack gehört zum Referententeam von Geld und Haushalt – Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Einrichtung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes vermittelt seit beinahe fünfzig Jahren mit Ratgebern, Vorträgen und durch Budgetanalysen finanzielles Wissen an alle Bevölkerungsteile. Das jüngste Geld und Haushalt-Projekt basiert auf dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ und setzt auf Überschuldungsprävention. „Die Gefahr, in die Schuldenfalle abzurutschen, ist für Langzeitarbeitslose besonders groß“, erklärt Reiner Hardt vom Beratungsdienst Geld und Haushalt. Denn unabhängig vom einstigen Erwerbseinkommen, erhalten Arbeitslose in der Regel bereits nach einem Jahr nur noch Leistungen aus Arbeitslosengeld II (Hartz IV).

Wo den Rotstift am einfachsten oder wirkungsvollsten ansetzen?
Blickt man in die Statistik wird schnell deutlich, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland stetig wächst. Gleiches gilt für die Warteschlangen vor den Schuldnerberatungsstellen, die im Akutfall zwar noch versuchen, „zu retten, was zu retten ist“, aber für Präventionsarbeit oft weder Zeit noch finanzielle Mittel haben. Aus diesem Grund haben Geld und Haushalt – Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe und die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) das Projekt „Finanzen im Griff – auch mit weniger Geld“ entwickelt. Es umfasst zwei Vorträge: "Budgetplanung - leicht gemacht" und "Mit Recht - Finanzen gestalten". Das Vortragsdoppel können regionale, nichtkommerzielle Institutionen, die (langzeit-)arbeitslose Menschen betreuen, bis zu dreimal kostenlos bei Geld und Haushalt abrufen. Das Konzept sieht vor, dass die Einrichtungen die Vorträge später in Eigenregie weiterführen.

„Wenn aus einer vorübergehenden eine längere Phase der Erwerbslosigkeit entsteht, ist das eine immense Belastungsprobe für jeden Haushalt“, wissen die AG SBV-Experten Marius Stark und Werner Just, die maßgeblich an der Entwicklung des Vortragsprojektes beteiligt waren. Eine kurze Phase mit deutlich weniger Geld im Portemonnaie können viele Betroffene noch überstehen, in dem sie das Ersparte aufbrauchen. „Doch wenn man längerfristig mit knappen Budgets den finanziellen Alltag bewältigen muss, gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, betonen die beiden Schuldnerberater und ergänzen: „Voraussetzung dafür sind allerdings ausreichende wirtschaftliche Kompetenzen. Wer diese nicht besitzt, läuft Gefahr in eine Schuldenspirale zu geraten, die in der Überschuldung enden kann.“

Doch um entscheiden zu können, wo der Rotstift am einfachsten oder wirkungsvollsten anzusetzen ist, muss man neben den fixen Kosten wie Miete, Strom, Kreditraten oder Versicherungsbeträge auch die variablen Ausgaben etwa für Lebensmittel oder Bekleidung kennen. „Und genau diesen Überblick gibt ein Haushaltsbuch“, sagt Martina Haack und verdeutlicht ihren Zuhörern in Bad Doberan, warum sie im Vorfeld der Veranstaltung neben einem Info-Faltblatt auch ein Datenblatt erhalten haben, in das sie ihre persönlichen Angaben über Einnahmen und Ausgaben schreiben sollten. „Dieses Datenblatt dient ausschließlich persönlichen Übungszwecken während der Veranstaltung und wird nicht vom Referenten oder gar anderen Teilnehmern eingesehen“, erläutert Reiner Hardt. Die Pilotphase des Projektes bei der  Allerhand gGmbH, einer Einrichtung zur beruflichen Reintegration von Langzeitarbeitlosen im Caritasverband der Stadt Köln, habe gezeigt, dass die Teilnehmer mit abstrakten Beispielen oft nur sehr wenig anfangen können. „Die Bereitschaft, das Erlernte im Alltag anzuwenden, ist deutlich größer, wenn die Betroffenen die praktischen Beispielübungen während des Vortrags mit ihren persönlichen Zahlen rechnen können“, bestätigt auch Martina Haack. Das heißt: Im Idealfall haben die Teilnehmer ihr persönliches Haushaltsbuch zum Ende des Vortrags soweit ausgefüllt und vorbereitet, dass sie wissen, wie viel Geld sie „zum Leben“ zur Verfügung haben und können ihre Ausgaben nun fortlaufend anhand der Einkaufsbons eintragen.

Männer reagieren oft zurückhaltender 
Die Pilotphase, das Feedback des Referententeams von Geld und Haushalt sowie die Erfahrungen des Sozialdienstes Katholischer Männer in Köln mit der Weiterführung der Vorträge in Eigenregie zeigen in der Summe eine gemischte Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Martina Haack hat festgestellt, das vor allem Frauen meist bereit sind, die Tipps anzunehmen und das Erlernte für die eigene Haushaltsführung anzuwenden. "Männer reagieren oft zurückhaltender", so Haack. Als Ursache dafür sieht sie die beinahe schon „traditionelle Rollenverteilung“: „In vielen Familien kümmern sich die Frauen um die Haushaltsführung und um die Finanzen – das war immer so und das wollen die Männer auch nicht ändern.“ Ulrich Ant vom Sozialdienst Katholischer Männer in Köln kann diese Beobachtung jedoch ein stückweit relativieren. Der Dipl.-Sozialarbeiter führt nach der Pilotphase die Vorträge nun in seiner Kölner Einrichtung weiter: "Wir haben einen hohen Anteil männlicher Singles unter den Vortragsteilnehmern und diese nehmen die Anregungen und Tipps aus den Vorträgen sehr bereitwillig auf."

Im Rahmen einer so genannten "Profiling"-Woche hält Ulrich Ant den zweiteiligen Vortrag vor Langzeitarbeitslosen. "Oft vermerken die Teilnehmer auf dem abschließenden Evaluationsbogen für den Vortrag, dass diese Veranstaltung die interessanteste in der ganzen Woche gewesen sei", berichtet Ulrich Ant. Den besonderen Reiz an den Vorträgen macht für ihn die meist sehr heterogene Zusammensetzung der Gruppen in punkto Bildungsniveau und Alter aus. Die Praxis zeige, dass dadurch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenseitig von ihren unterschiedlichen Kenntnissen und Fähigkeiten profitieren und sich aktiv in den Vortrag einbringen. Für Ulrich Ant hat dies allerdings zur Konsequenz, dass er während des Vortrags immer wieder in seiner Funktion zwischen Referent, Moderator und Motivator wechseln muss. "Wir haben festgestellt, dass viele Teilnehmer gar nicht mehr in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum konzentriert einem Vortrag zu folgen. Deshalb versuchen wir, durch eine Kombination aus Moderation sowie intensive Einbindung und Mitarbeit der Teilnehmer, den Vortragsstoff zu vermitteln", berichtet Ant.

Aus der Prävention zur direkten "Hilfe zur Selbsthilfe"
Für ihn bildet der Vortrag "Finanzen im Griff - auch mit weniger Geld" daher inzwischen ein Gerüst, in dem er sich - nicht zuletzt durch die Erfahrung und die Routine aus mehr als zehn Vorträgen in seiner Einrichtung - recht flexibel bewegt. "Wir vermitteln Grundkenntnisse - aber oft haben die Betroffenen aus ihrer eigenen Situation heraus Fragen, die deutlich darüber hinausgehen", so Ant.

Fragen, die aus dem Bereich Prävention in der Regel direkt in die "Hilfe zur Selbsthilfe" münden, behandeln Ulrich Ant und Martina Haack im zweiten Vortragsbaustein "Mit Recht - Finanzen gestalten". Hier erfahren die Teilnehmer unter anderem, dass man durch die Stundung oder Aussetzung von Kreditraten eine Entlastung des Budgets erreichen kann.Behandelt werden darin Themen wie laufende Versicherungen, natürlich auch die Altersvorsorge und was mit bereits eingezahlten Beiträgen geschehen soll, aber auch alles, was rund um das Girokonto beachtet werden soll. "Über den eigentlichen Tipp zur Budgetentlastung erwarten und bekommen die Teilnehmer ganz praktische Hinweise - zum Beispiel, wie man einen Brief an die Versicherungsgesellschaft formuliert", berichtet Martina Haack.


Die Finanzierung des Vortragsprojektes "Finanzen im Griff  - auch mit weniger Geld" ist durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband bis zum 31. Dezember 2007 gewährleistet. Anschließend wird man bundesweit Bilanz ziehen und schauen, ob und wie das Projekt weitergeführt wird. „Das heißt: Bis dahin hoffen wir, dass möglichst viele Einrichtungen, die arbeitlose Menschen betreuen, diesen speziellen VortragService bei uns abrufen und uns aus der Praxis heraus ihr Feedback geben“, betont Reiner Hardt. Im September 2006 wurde das Kooperationsprojekt zwischen AG SBV und dem Beratungsdienst Geld und Haushalt gestartet. Es entstand im Kontext des Engagements von Geld und Haushalt im Rahmen der von den Vereinten Nationen weltweit ausgerufenen Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung".


>>Kostenloses Angebot für regionale Einrichtungen<<
Der VortragService „Finanzen im Griff – auch mit weniger Geld“ ist ein kostenloses Angebot für regionale, nichtkommerzielle Anbieter und richtet sich an Einrichtungen, die (langzeit-)arbeitslose Menschen betreuen. Sie haben die Möglichkeit, das zwei Vorträge umfassende Konzept bis zu dreimal kostenlos abzurufen, um es dann später auch in Eigenregie fortführen zu können. Das bei den Vorträgen eingesetzte Informationsmaterial und alle darüber hinaus verfügbaren Broschüren des Beratungsdienstes Geld und Haushalt werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Interessierte Institutionen und Einrichtungen erhalten weitere Informationen unter der Rufnummer 030 / 20225-5190 oder im Internet unter www.geldundhaushalt.de.



 

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